Flut, die in Nebeln steigt, Flut die versinkt.
O Glück: das große Wasser, das mein Leben überschwemmte,
sinkt, ertrinkt.
Schon wollen Hügel vor. Schon bricht gesänftigt aus geklärten
Strudeln Fels und Land.
Bald wehen Birkenwimpel über windgesträhltem Strand.
O langes Dunkel. Stumme Fahrten zwischen Wolke, Nacht
und Meer.
Nun wird die Erde neu. Neu gibt der Himmel aller Formen
zarten Umriß her.
Herzlicht von Sonne, das sich noch auf gelben Wellen bäumt -
Bald kommt die Stunde, wo dein Gold in grünen Frühlingsmulden
schäumt -
Schon tanzt im Feuerbogen, den der Morgen übern Himmel schlägt,
die Taube, die im Mund das Ölblatt der Verheißung trägt.
Ernst Stadler
